Desinfektion mit UV Licht Multibarrieren-Strategie

In vielen europäischen Ländern wird Trinkwasser aus Oberflächenwasser oder Grundwasser, das von Oberflächenwasser beeinflusst wird, gewonnen. Dies bedeutet ein erhöhtes Risiko von Verunreinigungen durch Einzeller (Kryptosporidien, Giardien), Bakterien (E.coli, Salmonellen) und Viren (Hepatitis A, Hepatitis B, Poliovirus, Rotavirus). Unter Umständen sind diese für den Ausbruch von Krankheiten verantwortlich.

Einzeller (z.B. Kryptosporidien)

Mikrobiologische Verunreinigung 

Die mikrobiologische Verunreinigung von Wasser ist ein Hauptindikator für die nationale Gesundheit. Schlechte sanitäre Anlagen, mangelnde Hygiene, vermehrte industrielle Anwendungen und intensivere Landwirtschaft haben zu Krankheiten durch verunreinigtes Wasser geführt. In zahlreichen Ländern wurde die erhöhte Sterblichkeit im frühen Kindesalter auf das verunreinigte Wasser zurückgeführt.

Dies ist der Hauptgrund dafür, dass die Desinfektion von Wasser sich als unverzichtbarer Bestandteil der Wasseraufbereitung etabliert hat.

Übertragbare Mikroorganismen im Wasser

Tabelle 1 zeigt einige Mikroorganismen die im Wasser vorkommen und die Infektion, die diese verursachen können. Auch wenn diese Mikroorganismen hauptsächlich in Oberflächenwasser sind, stellen diese eine Bedrohung für Grundwasser dar, da auch dort ein Eindringen pathogener Organismen möglich ist. In zahlreichen westeuropäischen Ländern wurden bereits Epidemien gemeldet. Im Jahr 2007 kam es zu einer Epidemie in Irland, verursacht durch Kryptosporidien. Die irische Regierung reagierte sofort mit Abhilfemaßnahmen, wozu unter anderem auch die Ausrüstung der Wasserversorgung mit einem Multibarrierensystem gehörte.

Tabelle 1: Typische durch Wasser übertragbare pathogene Organismen.

MikroorganismusKrankheit
Bakterien
Salmonella typhiTyphus
Salmonella paratyphi A, B, CParatyphus
Shigella-ArtenRuhr
Escherichia coliEnteritiden, Enterotoxamien
Brucella-ArtenBangsche Krankheit oder Maltafieber
Vibrio choleraeCholera
Leptospira-ArtenWeilsche Krankheit
Listeria monocytogenasListeriose
Bacillus anthraciaMilzbrand
Clostridium botulinumBotulismus
Mycobacterium-ArtenHautulzerationen, Tuberkulose
Chiamydia trachomatisKonjunktivitis
Viren
PoliovirenMeningitis, Polio
Coxsackievirus A, BMeningitis, Ekzem
ECHO-VirusMeningitis, Diarrhöen
Hepatitis AEpidemische Hepatitis
Einzeller
Entamoeba histolyticaAmöbenruhr
Giardia lambliaLamblienruhr
Cryptosporidium parvumKryptosporidiose
Würmer
Ascaris lumbricoidesAskariose
Taenia-ArtenBandwurm

Biotest Validierung für UV-Systeme

UV-Systeme müssen vor ihrer Installation eine Biotest-Validierung (bzw. Feldversuche) durchlaufen. Da es nicht möglich ist, die Prüfungen an jedem Mikroorganismus durchzuführen, werden für die Biotest-Validierung repräsentative Organismen verwendet. Die EU-Trinkwasserrichtlinie legt die Mindestanforderungen für mikrobielle Verunreinigungen, wie in Tabelle 2 angegeben, fest. Das Einhalten dieser Richtlinie in Verbindung mit Ordnung und Sauberkeit (z.B. sanitären Anlagen) hat das Ausbrechen von Epidemien verringert und die öffentliche Gesundheit verbessert. Viele Jahre lang wurde angenommen, dass die Trinkwasserqualität sicher sei, wenn die Keimzahlen unterhalb der Angaben in Tabelle 2 lagen.

Trotz der Einhaltung der mikrobiologischen Anforderungen an das Trinkwasser, gemäß den in Tabelle 2 angegebenen EUVorschriften, kam es in manchen Ländern zu Epidemien, verursacht durch Kryptosporidien und Giardien, bei denen sogar Todesfälle zu beklagen waren. Diese Gefahr einer Epidemie erhöht sich durch chlorresistente Einzeller wie Kryptosporidien und Giardien.

Tabelle 2: Mikrobiologische Parameter gemäß EU-Richtlinie 89/83/EG

Mikrobiologische Parameter
Escherichia coli0/100 ml
Enterokokken0/100 ml
Mikrobiologische Indikatorparameter
Clostridia perfringens (einschl. Sporen)0/100 ml
Koloniezahl bei 22°COhne anormale Veränderung
Coliforme Bakterien0/100 ml

EU-Richtlinie 98/83/EG

Die EU-Richtlinie 98/83/EG vom 3. November 1998 fordert in Artikel 5, dass die Mitgliedsstaaten Standards für Wasser aufstellen, das für den menschlichen Gebrauch bestimmt ist. Diese mikrobiologischen Standardparameter sind in Tabelle 2 aufgeführt.

Die angegebenen mikrobiologischen Indikatorparameter sind Indikatoren für sicheres Wasser. Sie werden gemäß Artikel 7 der EUTrinkwasserrichtlinie regelmäßig überwacht.

Jeder EU-Mitgliedsstaat wendet die Richtlinie 98/83/EC an. Die meisten EU-Mitgliedsstaaten haben die Richtlinie durch noch strengere Vorschriften für Oberflächenwasser und Grundwasser unter direktem Einfluss von Oberflächenwasser verschärft. Hierzu gehört eine Anforderung bezüglich Giardien und Kryptosporidien, wie in Tabelle 3 aufgeführt.

Desinfektion ist ein entscheidender Schritt innerhalb des gesamten Trinkwasser-Aufbereitungsprozesses, um zu gewährleisten, dass das behandelte Wasser keine mikrobiologischen Verunreinigungen aufweist, welche die Gesundheit der Verbraucher gefährden.

Tabelle 3: Vorgeschlagene maximal zulässige Durchschnittskonzentration von Einzellern in Trinkwasser.

OrganismusVorgeschlagene AnzahlNicht in m³ Trinkwasser
Kryptosporidien2,6 x 10 -5 /l38
Giardien5,5 x 10 -6 /l180

Giardien

Giardien sind eine Gattung anaerober, begeißelter, einzelliger Parasiten vom Stamm der Metamonaden in der Übergruppe der “Excavaten” (benannt nach der freigelegten Furche auf einer Seite des Zellkörpers), die sich im Dünndarm mancher Wirbeltiere ansiedeln, vermehren und Giardiasis hervorrufen. Ihr Lebenszyklus wechselt zwischen einem aktiv schwimmenden Trophozoit und einer infektiösen, resistenten Zyste. Die Gattung wurde nach dem französischen Zoologen Alfred Mathieu Giard benannt.

Kryptosporidiose

Kryptosporidiose ist eine parasitäre Krankheit, die durch Kryptosporidien, einen einzelligen Parasiten im Stamm der Apicomplexa hervorgerufen wird. Sie befällt die Verdauungsorgane von Säugetieren und verläuft normalerweise als akute Kurzzeitinfektion. Sie wird fäkal-oral, häufig durch verunreinigtes Wasser übertragen. Das Hauptsymptom ist bei Menschen mit intaktem Immunsystem eine selbstbegrenzende Diarrhoe. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind die Symptome besonders schwerwiegend und häufig tödlich. Obwohl sie erst seit 1976 bekannt ist, gehört sie zu den häufigsten, durch Wasser übertragene Krankheiten und tritt weltweit auf. Der Parasit wird durch mikrobielle Zysten (Oozysten) übertragen, die sich, sobald sie aufgenommen wurden, im Dünndarm einnisten und zu einer Infektion des Dünndarmgewebes führen.

Kombination anstelle von Konkurrenz 

Trotz der Bildung von Desinfektionsnebenprodukten besitzt die Desinfektion mit Chlor einen Vorteil: Chlor wirkt als verbleibendes Desinfektionsmittel im Wasser auch noch im Verteilersystem. Das Restchlor kann die Desinfektion im Verteilernetz vom Wasserwerk bis zum Verbraucher aufrechterhalten. Dennoch ist Chlor nicht optimal für die Desinfektion von Trinkwasser geeignet, da es krebserregende Nebenprodukte (z.B. THM) bildet und nur einen geringen bis gar keinen Effekt auf chlorresistente Kryptosporidien und Giardien hat.

Die oxidative Kraft von Ozon kann mehrere organische Verbindungen aus dem Wasser entfernen und ist ein gutes Desinfektionsmittel gegen Bakterien, Viren und Giardien-Zysten. Dennoch überleben die Oozysten der Kryptosporidien die Ozonbehandlung. Aus wirtschaftlicher Sicht ist die Amortisationszeit erheblich, wenn Ozon einzig für Desinfektionszwecke eingesetzt wird.

Die herkömmliche schnelle und langsame Sandfiltration entfernt zwar einen Teil der Mikroorganismen, stellt aber dennoch eine Gefahr für die öffentliche Gesundheit dar. Auf der anderen Seite ist die Membranfiltration bei der Beseitigung von Mikroorganismen sehr wirksam. Dennoch gibt es Bedenken im Hinblick auf Viren, die durch die Membranen gelangen könnten sowie zu eventuellen Membranbeschädigungen. Daher bieten auch Mikro- und Ultrafiltration keinen ausreichenden Schutz.

Mit UV als hauptsächlichem Desinfektionsschritt fallen die Nachteile der chemischen Desinfektion und der Filtration weg. UV kann verwendet werden, um Bakterien, Viren und Einzeller mit geringen UV-Dosen und Adenoviren mit hohen UV-Dosen zu inaktivieren. Erfreulicherweise lassen sich Adenoviren mit Chlor inaktivieren. Eine Kombination aus UV und Chlor eliminiert praktisch sämtliche mikrobiellen Verunreinigungen.

UV-Desinfektion 

Anders als chemische Verfahren zur Wasserdesinfektion sorgt UV-Strahlung für eine schnelle und effektive Inaktivierung von Mikroorganismen durch einen physikalischen Prozess. Wenn Bakterien, Viren und Einzeller der UVC-Strahlung ausgesetzt werden, verlieren diese ihre Fähigkeit zur Fortpflanzung und Infektion. UV-Strahlung hat ihre Wirksamkeit gegenüber pathogenen Organismen unter Beweis gestellt, einschließlich derer, die Cholera, Polio, Typhus, Hepatitis, Giardien, Kryptosporidien und andere bakterielle, virale und parasitäre Krankheiten auslösen. Zudem hat Trojan UV-Systeme (sei es einzeln oder in Verbindung mit Wasserstoffperoxid) zum Abbau chemischer Schadstoffe, wie Pestizide, industrielle Lösungsmittel und Pharmazeutika erfolgreich installiert.

UV-Validierung

Die Auslegung eines UV-Systems sollte durch einen Biotest (Feldversuche) bestimmt und belegt werden. Diese Feldversuche gewährleisten, dass UV-Systeme, anhand tatsächlicher Leistungsdaten und nicht aufgrund theoretischer Annahmen (z.B. veralteter Software-Programme wie UVDIS) ausgelegt werden. Für die Validierung wurden verschiedene Verfahren und Vorgaben festgelegt:

  • 1986 USEPA Design Manual: Municipal Wastewater Disinfection Auslegungshandbuch: Kommunale Abwasserdesinfektion)
  • 2003 NWRI/AwwaRF Ultravoilet Disinfection Guidelines for Drinking Water and Re-use (Richtlinien zur UV-Desinfektion für Trinkwasser und Wiederverwendung)
  • USEPA Ultraviolet Disinfection Guidance Manual for the Long Term 2 Enhanced Surface Water Treatment Rule (2006) (Handbuch zur langfristigen UV-Desinfektion, Behandlungsregeln für aufbereitetes Oberflächenwasser)
  • Merkblatt W294 1-3 der Deutschen Vereinigung des Gas- und Wasserfaches (DVGW)
  • Merkblatt DIN 5873 Österreichisches Normungsinstitut (ÖNORM)

UV Dosis

Mikroorganismen werden durch UV-Strahlung inaktiviert, da diese die Nukleinsäure schädigen. Die mit kurzwelliger UV-Energie in Verbindung stehende hohe Energie, bei der Wellenlänge von 254 nm, wird von der zellulären RNS und DNS absorbiert. Diese Absorption von UV-Energie bildet neue Bindungen zwischen benachbarten Nukleotiden und stellt Doppelbindungen oder Dimere her. Die Dimerisation benachbarter Moleküle, insbesondere von Thymin, ist die am weitesten verbreitete fotochemische Beschädigung. Die Bildung zahlreicher Thymin-Dimere in der DNS von Bakterien und Viren verhindert die Fortpflanzung und deren Fähigkeit zu infizieren.

Die keimtötende Wirkung der UV-Strahlung steht in direktem Zusammenhang mit der von einem Mikroorganismus absorbierten Dosis an UV-Energie. Die UV-Dosis ist ein Produkt aus der UV-Intensität und der Zeit, die ein Mikroorganismus der UV-Strahlung ausgesetzt ist (häufig auch Einwirkzeit benannt). Die erforderliche Desinfektionsgrenze oder Log-Reduktion bestimmt die erforderliche UV-Dosis. Die UV-Dosis wird normalerweise in mJ/cm², J/m² oder μWs/cm² angegeben. Die Einwirkzeit des UV-Systems wird von der Reaktorkonstruktion und der Durchflussmenge des Wassers bestimmt. Die Intensität wird von den Ausrüstungsparametern (wie Strahlertyp, Strahleranordnung usw.) und den Parametern der Wasserqualität (wie UV-Durchlässigkeit, Gesamtschwebstoffgehalt) beeinflusst. Anders als chemische Desinfektionsstoffe wird die UV-Desinfektion nicht von der Temperatur, der Trübung oder dem pH-Wert des Wassers beeinflusst.

Unter Berücksichtigung all der unterschiedlichen Parameter von Ausrüstung und Wasserqualität gestaltet sich die Berechnung der abgegebenen Dosis komplex. Theoretische Modelle, die zur Durchführung der Dosisberechnung mithilfe von Strömungssimulation und/oder Punktquellensummierung geschaffen wurden, bieten kein genaues Ergebnis und können die Effizienz nicht garantieren. Daher muss zur exakten Bestimmung der Dosis des UV-Systems bei einer bestimmten Durchflussmenge und Wasserqualität eine Biotest-Validierung durchgeführt werden. Sämtliche Variablen, welche die abgegebene Dosis beeinflussen, wie Hydraulik, Reaktorzusammenstellung, UV-Durchlässigkeit der Quarzschutzrohre usw. müssen dabei berücksichtigt werden.

Die mikrobiologische Reaktion eines Mikroorganismus ist ein Maß für dessen Empfindlichkeit gegenüber der UV-Strahlung und ist für jeden Mikroorganismus spezifisch. Eine UV-Dosis-Reaktionskurve wird bestimmt, indem Wasserproben mit dem betreffenden Mikroorganismus mit unterschiedlichen UVDosen bestrahlt werden und die Konzentration lebensfähiger, infektiöser Mikroorganismen vor und nach jeder Bestrahlung gemessen wird. Die resultierende Dosis-Reaktionskurve ist eine grafische Darstellung der Log-Inaktivierung des Organismus im Vergleich zur UV-Dosis. 1 log Inaktivierung entspricht einer 90%-igen Reduzierung; 2 log einer 99%-igen Reduzierung; 3 log einer 99,9%-igen Reduzierung usw.

Sowohl DVGW als auch USEPA haben, wie in Tabelle 4 dargestellt, vergleichbare Inaktivierungsdosen unterschiedlicher, durch Wasser übertragbarer Pathogene veröffentlicht. Diese Dosen müssen durch unabhängige Biotests für jede einzelne UV-Einheit bei unterschiedlichen Betriebsbedingungen validiert werden.

Tabelle 4: Zusammengefasste Daten des USEPA Workshops zur UV-Desinfektion von Trinkwasser, 28.-29. April 1999

PathogenZur Inaktivierung erforderliche durchschnittliche
1 log2 log 3 log4 log
Cryptosporidium parvum Oozysten3.04.96.410
Giardia lamblia Zystenk.A.<5<10<10
Giardia muris Zysten1.24.7k.A.k.A.
Vibrio cholerae0.81.42.22.9
Escherichia coli O157:H71.52.84.15.6
Salmonella typhi1.8-2.74.1-4.85.5-6.47.1-8.2
Salmonella enteritidis57910
Legionella pneumophila3.156.99.4
Hepatitis-A-Virus4.1-5.58.2-1412-2216-30
Poliovirus Typ 14-68.7-1414-2321-30
Rotavirus SA117.1-9.115-1923-2631-36

Validierung des UV-Desinfektionssystems

Die Biotest-Validierung ergibt eine Reduktionsäquivalente Dosis (RED). Beträgt die RED für ein UV-System 40 mJ/cm², bedeutet dies, dass das UV-System, wie durch den Validierungsorganismus gemessen, 40 mJ/cm² abgibt. Im Prüfverfahren der Biotest-Validierung spielt es keine Rolle, wie die UV-Einheit konstruiert ist, wie viele Strahler installiert sind oder wie viel Leistung das System aufnimmt. Die gemessene mikrobiologische Log-Reduktion bestimmt die Wirksamkeit des Systems in Bezug auf die Betriebsbedingungen.

Dosen, die durch Punktquellensummierung oder Strömungssimulation berechnet wurden, prognostizieren normalerweise viel höhere Werte als die Realität. Dies ist der Hauptgrund dafür, dass die Biotest-Validierung bei Anwendungen der Wasserdesinfektion so wichtig ist. 

Allgemeine Validierungsschritte

Schritt 1: Bestimmung der UV-Dosis-Reaktionskurve des in Frage kommenden Mikroorganismus

Die auf unterschiedlichen UV-Dosen basierende mikrobielle Inaktivierung kann mithilfe eines kollimierten Strahls aufgezeichnet werden. Daraus ergibt sich die Dosis-Reaktionskurve des in Frage kommenden Organismus.

Schritt 2: Bewertung und Validierung des Reaktors 

Der UV-Reaktor wird zur Bestimmung der mikrobiellen Inaktivierung unter verschiedenen Durchflussbedingungen (z.B. unterschiedlichen UV-Durchlässigkeiten, verschiedenen Lampenleistungen usw.) bei unveränderten Mikroorganismen betrieben. Durch Vergleich der mikrobiellen Inaktivierung des Reaktors mit der Dosis-Reaktionskurve, welche mithilfe des Tests mit kollimiertem Strahl erstellt wurde, kann die vom Reaktor abgegebene Dosis (Reduktionsäquivalente Dosis – RED) genau bestimmt und für verschiedene Betriebsbedingungen validiert werden.

Der als Biotest-Validierung bezeichnete Test wird von einem unabhängigen und anerkannten Dritten an einer geeigneten Versuchsanlage durchgeführt und geleitet.

Validierungsparameter

Die Validierung muss die Anforderungen der gewünschten Log-Inaktivierung bestätigen. Die Biotest-Validierung ermöglicht eine genaue Auslegung der Systeme und berücksichtigt folgende Parameter:

  • UV-Durchlässigkeit (UVT)
  • Durchflussmenge
  • UV-Intensität
  • Lampenkonfiguration
  • Reaktor-Hydrodynamik
  • Ende der Lampenlebensdauer

Tabelle 5: UV-Dosisvorgaben (mJ/cm²)

ZielpathogeneLog-Inaktivierung
0,51,01,52,02,53,03,54,0
Kryptosporidien1,62,53,95,88,5121522
Giardien1,52,13,05,27,7111522
Virus395879100121143163186

Vergleich der Protokolle von USEPA und DVGW

Die DVGW-Norm W294 wurde in Deutschland für deutsche Trinkwasserversorger entwickelt, um für eine Standardisierung der UV-Desinfektionsbranche zu sorgen. Die DVGW-Norm W294 ist als Validierungsprotokoll für UV-Reaktoren akzeptiert. Das Merkblatt W 294 des DVGW ermöglicht der Wasserbranche einen fairen Vergleich zwischen unterschiedlichen Arten von UV-Reaktoren und Anbietern. Das DVGWMerkblatt wurde für die Umsetzung an der DVGW-Prüfanlage entwickelt. Die Prüfanlage des DVGW ist auf 3000 m³/h. begrenzt.

Die Prüfung nach DVGW-Protokoll bestimmt eine Reaktorauslegung mit einer festgelegten RED von 40 mJ/cm² und Sporen des Bacillus subtillus als Test Mikroorganismus. Hierbei werden eine sich ändernde UV-Durchlässigkeit (UVT), die Lampenleistungen und eine Lampenalterung auf 70% berücksichtigt.

Aufgrund der Nachfrage nach großen UV-Reaktoren, großer Schwankungen der lokalen Wasserqualität, unterschiedlicher Anlagenausführungen und des Vorhandenseins zahlreicher verschiedener Aufbereitungsmethoden entstand der Bedarf nach einem flexibleren Protokoll.

Die Umweltschutzbehörde der USA (USEPA) hat ein Handbuch zur UV-Desinfektion erarbeitet (UVDGM), welches Validierungsprotokolle vor Ort und Konstruktionsaspekte für UV-Reaktoren beschreibt. Aufgrund der jüngsten Ereignisse konzentriert sich das Handbuch auf die wirksame Beseitigung der chlorresistenten Giardien und Kryptosporidien. Die USEPA-Vorgaben sind flexibler und komplexer. Die Prüfdosis kann bei unterschiedlichen Durchflussmengen, unterschiedlicher UV Durchlässigkeit und Leistung bei einem simulierten Ende der Lampenlebensdauer zwischen 10 und 120 mJ/cm² variieren. Der Test ergibt eine Validierungskurve, die für spezifische mikrobiologische Vorgaben verwendet werden kann, die eine höhere RED als 40 mJ/cm² erfordern.

Unterschiede zwischen USEPA / DVGW

  • Das UVDGM erlaubt Methoden mit Sollwert und berechneten Dosen, die als Funktion von Durchflussmenge, UV-Durchlässigkeit und UV-Intensität interpoliert werden
  • Die DVGW arbeitet ausschließlich mit der biodosimetrischen Dosis (Reduktionsäquivalente Dosis – RED) von 40 mJ/cm²
  • Das UVDGM verwendet normalerweise die MS2-Phage, der DVGW Sporen des Bacillus subtilis
  • Das UVDGM kann DVGW- oder ÖNORM-Sensor einsetzen
  • Beide erlauben Prüfanlagen Dritter
  • Beide erlauben die Analyse der mikrobiologischen Daten durch Dritte
  • Das UVDGM erlaubt den Nachweis des Lampenalterungsfaktors durch Dritte
  • Das UVDGM erfordert die Berücksichtigung der Entwicklung des hydraulischen Profils (Einlassbedingungen)
  • Das UVDGM erlaubt On-line-Messungen der UV-Durchlässigkeit zur Dosisanpassung
  • Das UVDGM erlaubt eine SPS-Steuerung

Tabelle 6: Vergleich zwischen USEPA und DVGW

GegenstandDVGW/ÖNORMUS EPA UVDGM
PrüfpunktUV-I-Sollwertmethode- entweder UV-I-Sollwertmethode
- oder UV-I/UVT-Sollwertmethode
- oder UV-Dosisberechnung nach UVI und UVT
Lampenalterungmax. 70% (d.h. 30% Alterung)- keine Angabe (Lampenangaben sind nachzuweisen)
Einlassbedingungenoberwasserseitig mit doppeltem
DN600-Bogen
("ungünstigster Fall")
- keine Angabe
- hydraulischer Zustand des installierten UV-Reaktors
muss gleich oder besser sein als der des validierten
UV-Reaktors (normalerweise mit 90-Grad-Bogen
validiert, um ungünstigsten Fall zu simulieren)
UV-DosisRED 40 mJ/cm²RED in Bezug auf Log-Ergebnisse
BetriebspunkteFestVariabel
Interpolation – ExtrapolationNicht zulässigInterpolation erlaubt
AnwendungVergleicht Leistung unterschiedlicher
Reaktoren
Bietet Betriebsmittel für unterschiedliche Reaktoren
DesinfektionsschwerpunktAllgemeine Desinfektion. Geeignet
für alle Anwendungen
Schwerpunkt auf Giardien und Kryptosporidien
ReaktorvalidierungExperimentelle Tests zur
Bestimmung des Durchflusses
und der UV-Durchlässigkeit für
einen UV-Reaktor bei einer RED
von 40 mJ/cm²
Experimentelle Tests zur Bestimmung der
Betriebsbedingungen, unter denen ein UV-Reaktor die
erforderliche Dosis bereitstellt, die zur Inaktivierung von
Kryptosporidien, Giardien und Viren erforderlich ist
Test-MikroorganismusBacillus subtilisNormalerweise MS2-Bakteriophage

Anwendungsvorschläge:

  • Verwenden Sie DVGW für Systeme Durchflüsse (<1570 m³/Std.).
  • Verwenden Sie USEPA für die Inaktivierung von Giardien und Kryptosporidien.
  • Verwenden Sie DVGW für die allgemeine Desinfektion.
  • Verwenden Sie USEPA für den Multibarrieren-Schutz in Oberflächenwasser.
  • Verwenden Sie DVGW für den Multibarrieren-Schutz in Grundwasser.
  • Die USEPA-validierten Systeme sind im Preis normalerweise günstiger, mit Sicherheit für Durchflüsse >300 m³/Std.

Referenzen:

Michael F. Joyce (2010), Water Service Director, Ryan Hanley Consulting Engineers, Ireland. Lecture – University College Dublin

Trojan Technologies (2008), London, Canada. UV-Anwendungen und Lösungen.

DVGW (2006). UV-Geräte zur Desinfektion in der Wasserversorgung. Deutscher Standard W291.

ÖNORM (2003). Anlagen zur Desinfektion von Wasser mittels Ultraviolett-Strahlen. Österreichische Norm 5873.

USEPA (2006). Handbuch zur langfristigen UV-Desinfektion, Behandlungsregeln.

für aufbereitetes Oberflächenwasser (LT2ESWTR). EPA815-R-06-007.